Mag.a Marjan MOBAYYEN

Werbekauffrau/Mitbegründerin PROSA - Projekt Schule für alle! | Geboren in Teheran (Iran) | In Österreich seit 2008


Beruf & Leben

Marjan Mobayyen wurde während des Ersten Golfkriegs in Teheran geboren, wo sie ihre ersten sechs Lebensjahre verbrachte, bevor sie mit ihrer Familie nach Deutschland auswanderte. In der Grundschule in Hamburg war sie, ausgenommen von einem adoptierten Mitschüler, die Einzige mit Migrationshintergrund. Entgegen den Erwartungen ihrer Grundschullehrerin schafft sie mit der Unterstützung ihrer Familie und Freunde das Abitur. Sie absolvierte anschließend erfolgreich eine Berufsausbildung zur Werbekauffrau, arbeitete als Supply Chain Managerin in einem Marketingunternehmen und belegte zeitgleich ein berufsbegleitendes Studium zur Marketing-Kommunikationswirtin.

Nach mehreren Berufsjahren in der Marketingbranche kündigte sie ihre Arbeitsstelle und ging für ein halbes Jahr nach Südafrika in ein Kinderspital, um junge Patient*innen bei ihren Heilungsprozessen zu unterstützen. Diese Erfahrung prägte sie immens und trug dazu bei gesellschaftspolitische Thematiken ins Auge zu fassen. Während ihrer anschließenden Weltreise traf sie auf verschiedene inspirierende Menschen, die ihr gewecktes Interesse an internationalen, politischen Themen stärkten.

Wieder in Deutschland angekommen war ihr klar, dass sie nicht mehr in ihren ehemaligen Beruf zurückkehren wollte. Trotz Drängen des Arbeitsamtes und eines Jobangebotes, das sie sich vor ihrer Kündigung viele Jahre erträumt hatte, folgte sie ihrem Wunsch, einen neuen Weg einzuschlagen. Sie entschied sich für Wien, um Internationale Entwicklung zu studieren.

In ihrem Studium befasste sie sich vor allem mit entwicklungspolitischen und sozialen Verteilungsfragen, Menschenrechten, Migrations- und Bildungsfragen. Ihre Diplomarbeit verfasste sie über die Bildungsbenachteiligung und soziale Exklusion junger Asywerber*innen ab dem Pflichtschulalter in Österreich.

2012 schloss sie sich mit einer Gruppe von Studierenden zusammen, mit denen sie gemeinsam einen gemeinnützigen Verein namens „Bildungsinitiative Österreich – viel mehr für alle!“ gründete. Sie war Obfrau und verantwortete das gemeinsam gegründete Bildungsprojekt „PROSA – Projekt Schule für alle!“, das sich für das Menschenrecht auf Bildung junger Asylwerber*innen einsetzt.

Marjan besucht immer wieder Fortbildungskurse und Seminare im Bereich Asylrecht, Umgang mit traumatisierten Personen, Bildungsgerechtigkeit und setzt sich gegen Rassismus und Sexismus ein. Sie will das Selbstvertrauen, das sie mithilfe ihres sozialen Rückhalts gewonnen hat, an andere junge Menschen weitergeben, die keine Unterstützung seitens ihrer Familien und/oder der Gesellschaft erhalten. Selbst einerseits von Bildungsbenachteiligungen betroffen und andererseits privilegiert, sieht sie es als ihre Pflicht an, sich dafür einzusetzen, dass alle jungen Menschen ihr Menschenrecht auf Bildung nutzen können, unabhängig ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft, Geschlecht, Erstsprache oder sozialen Schicht. Marjan ist nach ihrem erfolgreichen Studienabschluss zum Jahreswechsel zurück nach Hamburg gezogen, um wieder etwas mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können, während sie sich für einen internationalen Berufseinstieg bewirbt.

Außerberufliches Engagement

Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten umfassen:

  • seit 10/2013 Mitgestalterin des Mädchen-/Frauenraums bei PROSA – Projekt Schule für Alle!

  • 10/2012 Mitbegründerin PROSA– Projekt Schule für Alle! Ein Projekt, das über 40 jungen Asylwerber*innen den Zugang zu Bildung öffnet und sich gegen Sexismus und Rassismus einsetzt. Inzwischen hat der erste Jahrgang den Hauptschulabschluss erlangt.

  • 08/2012 – 08/2013 Obfrau Bildungsinitiative Österreich - viel mehr für alle! Wien

  • 07/2012 – 09/2012 Deutschkursleiterin bei der Caritas, Wien

  • 04/2012 – 06/2012 Buddy bei beim Diakonie Flüchtlingsdienst, Wien

  • 07/2009 – 09/2009 Praktikantin beim Frauenprojekt Perspektiven, Hamburg

  • 11/2007 – 03/2008 Mitarbeiterin im Red Cross Children’s War Memorial Hospital,Rondebosch, Südafrika

Integrationshürden/-überwindung

Ihre Schullaufbahn ist von institutioneller Diskriminierung gekennzeichnet. Ihre schulischen Leistungen wurden durch negative Erwartungshaltungen einiger Lehrkräfte stark beeinflusst.

Zum Beispiel: Ihre Grundschullehrerin in Deutschland gab Marjan keine Empfehlung für das Gymnasium trotz guter Noten, da sie ihr nicht zutraute das Gymnasium zu schaffen, weil sie nicht aus einer Familie kam, in der Deutsch die Erstsprache war. Der stellvertretende Schulleiter ihres Gymnasiums lachte sie für ihr Vorhaben, studieren zu wollen, aus. Ihr Nachname war ihr bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und später nach einer Anstellung ebenfalls keine große Hilfe, sagt sie.

Zuletzt machte sie Rassismus-Erfahrungen in Wien, als ein Wärter des Naturhistorischen Museums und eine Dame, die Führungen durch das Parlament anbot, sehr irritiert auf Marjans perfekte Deutschkennisse reagierten. Diese passten offensichtlich nicht zu ihrem „nicht-deutsch/österreichischem“ Aussehen.

Durch den Rückhalt ihrer Familie und Freunde hat sie die verschiedenen Hürden in ihrem Leben gemeistert und konnte ihren Weg erfolgreich gehen

Zum ersten Mal erfuhr ich 2010 vom MiA Award, als ich ein Buch von Joana Adesuwa Reiterer las. Ihre Geschichte und ihre Tätigkeiten als Menschenrechtsaktivistin berührten mich zutiefst. Ich träumte davon, mich eines Tages so erfolgreich wie sie für Menschenrechte einzusetzen und etwas bewirken zu können.

Zwar habe ich nicht die Macht, Menschen zu ändern, aber ich habe die Macht, Rassismus und Sexismus nicht tatenlos gegenüber zu stehen und im eigenen Umkreis etwas zu bewirken. Ich habe - wie alle privilegierten Menschen auf der Welt - die Möglichkeit, mich gegen Diskriminierungen zu erheben und mich nicht nur dagegen auszusprechen, sondern mich tatkräftig für Chancengleichheit und Anerkennung von Vielfalt in einer Gesellschaft einzusetzen. Ich versuche diese Möglichkeit jeden Tag aufs Neue zu nutzen.