Asli KISLAL

Schauspielerin & künstlerische Leiterin | Geboren in Ankara (Türkei) | In Österreich seit 1989


Beruf & Leben

Asli Kislal studierte in Istanbul Internationale Beziehungen/Politikwissenschaft und begann bereits mit 18 Jahren als Journalistin zu arbeiten (Jugendzeitschrift, Presseabteilung für Frauen- und Kulturzeitschrift), danach war sie in einer Filmfirma Sekretärin bzw. Produktionsassistentin. Um die Welt kennenzulernen , kam sie nach Wien um Soziologie zu studieren. Zur Finanzierung ihres Studiums arbeitete sie 2 Jahre lang als Au pair und nahm die Chance wahr, währenddessen Deutsch zu lernen. Sie begann im interkulttheater zu spielen, wurde danach vom Theater der Jugend angefragt, wo sie trotz ihrer damals noch mangelhaften Deutschkenntnissen auf der Bühne zu spielen anfing.

1991 war sie Mitinitiatorin zur Gründung des Vereins Echo, einer Zeitschrift über Kunst- und Kulturprojekte. Ihre Theatergruppe erhielt den Integrationspreis und galt als Plattform für die 2./3. Generation, die sie auch von der Straße wegbringen wollte um die Kraft die auf der Straße liegt, für Kreatives einzusetzen, von der Opferhaltung wegzukommen und ihnen eine Stimme zu geben. Nach jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit für Echo erhielt Asli schließlich Subventionen. Es war eines der größten und erfolgreichsten Projekte für Jugendliche im gesamteuropäischen Raum, das 2003 leider aufgrund der Streichung von Subventionen eingestellt werden musste.
1994 begann Asli Kislal im Schubertkonservatorium Schauspiel zu studieren und schloss nach 2 Jahren ab. Gleich danach erhielt sie Engagements in Klagenfurt, danach in Stuttgart, wo sie langjähriges Ensemblemitglied mit mehreren Hauptrollen war. Sie übernahm Regieassistenzen und Ensembletrainings und arbeitete mit internationalen Regisseuren wie George Isherwood, Alexander Kubelka, Stephan Bruckmeier, Rafael Spregelburd, Werner Schretzmeier, Andrei Kritenko und Arne Nannestad.

Als sie 2003 nach Wien  zurückkam  gründete sie eine 30 köpfige Theatergruppe, mit jugendlichen und professionellen Schauspielern: Den Kunst- und Kulturverein daskunst, dessen künstlerische Leiterin sie seither ist und mit dem sie 2007 Gewinnerin des Theaterfestivals Spectrum "best of(f) Austria" wurde. Darüber hinaus war sie Vertreterin Österreichs beim "Youth dance & Youth Theatre" Workshop in Wales und leitete verschiedene Theaterworkshops in Finnland, Düsseldorf, Stuttgart, Wien und Rom.

2009 übernahm sie die künstlerische Leitung des Theaters des Augenblicks. 2011 initiierte und kuratierte sie die Wiener Projektreihe Postmigrantische Positionen PIMP MY INTEGRATION.

2013 gründete sie diverCITYLAB, eine Schauspielakademie für junge Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund: Damit in der Zukunft die Bühnen Österreichs die gesellschaftliche Realität widerspiegeln; verbunden mit dem diverCITYLAB Stipendiensystem für migrantische Künstler geht es darum Künstlern zu helfen in Wien Fuß zu fassen und sie mit der ansässigen Kunstszene zu vernetzen. diverCITYLAB arbeitet auch in der Kulturvermittlung mit Frauen und Jugendlichen.

Außerberufliches Engagement
  • ig Theater Vorstand seit 2010
  • Wienwoche Vorstand seit 2011
  • Jurytätigkeiten bei Kültür Gemma (Stipendiumsystem für Künstlerinnen mit Migrationshintergrund), Preis der Wiener Vielfalt
  • ehrenamtliche Unterstützung der Theaterklasse in NMS Koppstrasse
  • 12. Bezirk bassena Nachbarinnen Projekt (Schauspielunterricht)
  • Mitinitiatorin von "Kunst am Grund"
Integrationshürden/-überwindung

Asli Kislal will das Wort Integration und die damit verbundenen Worte (Integrationshürden/fern/unwillig/unfähig …) aus ihrem Leben und ihrer Umgebung verbannen. Diese alten Konzepte und daraus resultierende Herangehensweisen implizieren ein Defizit bei einer bestimmten Gruppe und gehen davon aus dass diese Defizite nicht der "Norm" entsprechen. So werden Menschen klassifiziert und Gruppen erheben sich über andere. Und genau das hindert sie am Leben.

Als sie nach Österreich kam, konnte sie kein Wort Deutsch und hatte bis dahin auch noch keine U-Bahn betreten, aber das es waren keine Hürden sondern neue Welten, Begebenheiten die sie noch zu entdecken hatte! Neben ihrem Studium lernte sie in Abendkursen Deutsch, aber das meiste lernte sie von "ihren" Kindern, v.a. vom Kindergartenkind, das alles erzählen wollte, was es erlebt hat - mit Bildersprache und von der Familienoma, die ihr Kochen beigebracht hat - Generationen haben ihr die Sprache gelernt. (Tüchtig, tüchtig - war für sie ...weiter, weiter! Tochter = Doktor; auch mit Tonband lernte sie Deutsch: hab ich eine Wahl/Wal...).

Dass ich mich in meinem Beruf für etwas einsetze und Missstände zeige mit den Projekten die ich gegründet habe, Beispiele schaffe wie es sein könnte, war ein wichtiger Punkt in meinem Leben.

Ich liebe meinen Job als Schauspielerin und Regisseurin zu arbeiten, und ich versuche mit meiner Arbeit für die zukünftigen Künstler eine Verbesserung zu schaffen. Auch als Vorstand der ig-Theater (seit 4 Jahren) versuche ich etwas zu bewegen.