Dr. med. univ. Jaleh LACKNER-GOHARI

Internistin/im Ruhestand | Geburtsort:Täbriz/Iran | in Österreich seit 1955


Beruf & Leben:

Jaleh Lackner ist im Iran geboren und ging auch dort zur Schule, wo sie 1955 maturierte. Da die Möglichkeiten zu studieren damals im Iran sehr gering waren und sie neugierig auf die Welt war, hat sie alles getan, um die Aufnahmeprüfung in der Heimat nicht zu bestehen.  Ein Freund der Familie riet ihren Eltern, sie nach Wien zu schicken. Nach 2 Monaten Deutschunterricht kam sie nach Wien und begann, Medizin zu studieren. Finanziert wurde dies durch ein Stipendium des iranischen Staates und ihre Eltern. Nach einem kurzen Aufenthalt in Düsseldorf ließ sie sich nach ihrer Promotion 1964 zur Internistin an der Universitätsklinik Wien ausbilden und unterrichtete bis 1979. Als Oberärztin hatte sie die Lehrkanzel für Infektiologie & Chemotherapie inne.
 
Immer wieder Auslandsaufenthalte, insbesondere im Iran und in den USA. In diesem Rahmen war sie Medical Officer, später Chief Medical Coordinator und wurde als Civilian Physician von der IAEO als Zivilärztin in militärischer Mission tätig. Neben Aufbauarbeiten eines Spitals in Vukovar, engagierte sie sich auch friedensstiftend zwischen den verschiedenen Ethnien.
 
Als europäische Vizepräsidentin von iChi hielt sie mit ihrer amerikanischen Kollegin, Janet Foerster, Präsidentin von iCHi (Inner Change International) für die internationalen Organisationen in Wien, vorwiegend für CTBTO Trainingskurse. Themen: interkulturelle Zusammenarbeit, Gesundheit und Vorbeuge in internationalen Arbeitsteams, und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.Sie schreibt heute noch Gastkommentare (siehe Anhang) und hält noch gerne Vorlesungen zum Thema Menschenrechte, auch im internationalen Vergleich, z.B: für die Universität Webster in Wien. Vorträge, die eine Tribüne für Menschenrechte und Frieden darstellen, nimmt sie oft und gerne an (zuletzt Zusammenarbeit mit dem Wiener Strafanstalt & Academic Council of United Nations Wien/November 2011, oder beim Menschenrechts-Filmfestival This Human World).

Außerberufliches Engagement:
  • 1986 Mitgründung von GIF (Gesellschaft Unabhängiger Iranischer Frauen in Wien/Österreich). Diese Gründung ging auf Initiativen von Johanna Dohnal zurück. Iranische Exilantinnen verschiedener Couleurs wurden zur gemeinsamen Arbeit und friedlicher Zusammenarbeit zugeführt. GIF besteht nach wie vor und hat vor einigen Jahren  einen Integrationspreis der Stadt Wien erhalten.

  • Nachdem der Krieg 1979 im Iran ausbrach, war sie Mitbegründerin des Komitees zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran. Hilfestellungen an Asylsuchenden, die damals zunehmend nach Österreich kamen. Soweit möglich, Unterstützung zur Integration in Österreich, Deutschkurs und Beratung. Politische Arbeit, um die Lage besser zu begreifen.

  • 2004 Gründung von SINA nach der Erdbebenkatastrophe mit ca. 40 000 Opfern in BAM, Iran. SINA hat sich vor Ort und später von Wien aus auf ein überschaubares Projekt konzentriert: 31 Kinder, unter den ärmsten und am schwersten Betroffenen, wurden in Wien – und einige in anderen Ländern in Patenschaft genommen. Die Paten sind dzt. in Österreich lebende Familien mit iranischen Wurzeln. 

  • 2005-06 Gründung des Interkulturellen Forums „Das Iranische Wien“. Als positive Integrationsmaßnahme: „auch wir sind inzwischen Wienerinnen und Wiener“: 

    1) Kooperation mit Austria Filmarchiv, um gesellschaftlich relevante iranische Filme 1x im Monat im Wiener Metro Kino zu zeigen.
    2) die Aktuelle Debatte, 1x im Monat eine Vorlesung über Iranistik und Kulturgeschichte Irans & Österreichs (Fokus 2. Generation) 

    3) interkulturell besetzte Konzerte.

 
Zusammenarbeit mit „Frauen Ohne Grenzen“, aktive Teilnahme bei der ersten Internationalen Konferenz „Women Included“.

Integrationshürden/-überwindung:

Sprache, aber durch die Begeisterung für das Studium aber auch für Musik & klassisches Theater empfand sie diese Hürde als erweckend und nicht als belastend.
 
Kultur: Die positive Einstellung half ihr, die Diskrepanz, außer in persönlich schmerzlichen Bereichen (einsame Sonntage, keine Konsultationsmöglichkeiten mit der Familie, wenn es Probleme gab usw.) nicht als zu sehr schwer zu sehen. Damals war die Ausländerfeindlichkeit nicht so stark zu spüren, es überwog die Neugierde & das Interesse gegenüber „Anderen“.
 
Ehe: Sie war überrascht, dass auch ein akademisch ausgebildeter europäischer Ehemann die Leistungen seiner professionell ebenso aktiven Frau nur dann hinnimmt, wenn sie zuhause im traditionellen Sinn die Mutter-Hausfrauenrolle nicht vernachlässigt.
 
Gesellschaftliche Vorschriften: Als praktizierende Ärztin und Mutter von damals 2 Kindern war es ein Problem, die stark beschränkten Geschäftsöffnungszeiten in Wien zu bewältigen und mit den beruflichen/Kindergartenterminen zu vereinen. 
Isolation: „Als junges Mädchen sehr behütet erzogen war mein Umgang mit jungen Männern, mit denen ich gerne zusammenarbeitete, ziemlich problematisch; dass sie sich für mich interessierten, oder ich für sie, konnte ich schwer kanalisieren.“
 
In ihrer Arbeit war es „interessant, dort mit nach dem furchtbaren Krieg entstanden Initiativen & NGOs zusammen zu arbeiten. Diese Menschen waren imstande, einer friedlichen Zukunft des Landes zuliebe, über ihre eigenen Schmerzerfahrungen hinaus zu gehen und konstruktiv zu arbeiten. Ganz besonders faszinierten mich jene Initiativen, die sich gegen Frauenhandel oder Vermehrung von HIV im Land bemühten. Mit ihnen arbeitete ich neben meiner eigentlichen Tätigkeit, wo immer ich konnte. Auch heute noch engagiere ich mich für Frieden und Menschenrechte insbesondere Menschenrechte der Frauen.

 

„Ich denke, dass eine Entwicklung des Miteinander, statt eine Entwicklung des Ausschlusses, mehr und mehr um sich greifen. So sollte es werden und wir sind noch lange nicht dort angekommen. Wenn dieser Weg mehr Selbstverständlichkeit gewinnt, wird der Raum für konfliktträchtige oder gar kriegerische Auseinandersetzungen wie von selbst enger. 

Das ist eine Hoffnung, die mich trägt, hier und überall, und für die sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“